“Wenn das Lama von den Sternen trinkt und die Spinne Lebenszyklen webt, dort wo der Himmel die Erde berührt und die Zeit sich ausdehnt wie Salz…”
Tomás Saraceno. Verwobene Welten
im Haus der Kunst in München, bis 7. Februar 2027
„Verwobene Welten“ zeichnet eine einzigartige Reise durch Tomás Saracenos Schaffen nach und markiert einen bedeutenden Schritt vorwärts, sowohl in seiner künstlerischen Entwicklung als auch in unserem Verständnis seines Werks. Sie vereint zwei zentrale Stränge seiner langjährigen Forschung – Aerocene und Arachnophilia – und präsentiert eine neue, zentrale sowie gemeinsam produzierte Auftragsarbeit: El Santuario del Agua (The Sanctuary of Water), ein permanentes Land-Art-Werk im Norden Argentiniens. Dieses entsteht in enger Zusammenarbeit mit den Indigenen Gemeinschaften von Red Atacama aus Las Salinas Grandes als Teil einer Kampagne zum Schutz der angestammten Territorien der Region.
Die Ausstellung erstreckt sich über das gesamte Gebäude und umfasst luftbetriebene Skulpturen, gemeinsame Lebensräume verschiedener Arten sowie raumgreifende Environments. Diese verändern die Wahrnehmung der Räume des Haus der Kunst und laden Besucherinnen dazu ein, ökologische und soziale Kräfte, die die Energiewende prägen, neu zu überdenken.
Aktuelle Ausstellungen im Haus der Kunst in München
Ernst Barlach. Facetten der Liebe
Edwin Scharff Museum, Neu-Ulm, verlängert bis 18. Oktober 2026
Das Thema Liebe beschäftigte den Bildhauer, Zeichner und Autor Ernst Barlach (1870-1938) sein Leben lang intensiv – privat wie auch in seinen plastischen und grafischen Werken. Für ihn war die Liebe als grundlegende menschliche Emotion weit mehr als die Beziehung eines konventionellen Paares. Themen wie Versuchung, Sehnsucht oder bedingungslose Nächstenliebe finden sich in seinem Schaffen ebenso wie Werke, die Szenen der Mutterliebe oder der käuflichen Liebe darstellen. Die innige Zuneigung eines Liebespaares oder die lockenden Rufe der Sirenen erhalten ebenso Raum wie die Trauer um eine geliebte Person.
Die Ausstellung präsentiert Ernst Barlach als feinfühligen Beobachter menschlicher Gefühle. Ausgewählte Exponate, begleitet von poetischen Texten, zeigen die vielseitige Auseinandersetzung des Künstlers mit der Liebe in all ihren Facetten. Vereinzelte Gegenüberstellungen mit Werken Edwin Scharffs machen Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Zeitgenossen sichtbar. Eine Kooperation mit den Ernst Barlach Museen Güstrow.
Making Max Emanuel. Wie wird man zur Legende?
im Bayerischen Armeemuseum in Ingolstadt, verlängert bis 10. Januar 2027
Max Emanuel gilt als einer der wichtigsten Herrscher Bayerns. Mit ihm erlebte der Staat einen immensen Aufschwung: Als er geboren wurde, war das Land noch gezeichnet vom Dreißigjährigen Krieg. Unter dem ehrgeizigen Kurfürsten und begabten Feldherrn Max Emanuel wurde Bayern zu einem Machtfaktor in Europa. Die Dynastie der bayerischen Wittelsbacher hatte Chancen, in die Liga der europäischen Königshäuser aufzusteigen, auch wenn militärische Aufrüstung und extravagante Hofhaltung die Staatskassen massiv belasteten. Allerdings scheiterten seine Ambitionen: Nach militärischen Niederlagen verlor Max Emanuel sogar die Kurwürde und musste für fast zehn Jahre ins französische Exil. Nur die Gleichgewichtspolitik der europäischen Großmächte brachte ihm Land und Rang zurück. Max Emanuel gab nicht auf, er inszenierte sich selbst als Retter Bayerns, als erfolgreicher Feldherr und Barockfürst nach dem Vorbild des französischen Sonnenkönigs, Ludwigs XIV.
Letztlich war dies erfolgreich, seine riskante Politik und ihre katastrophalen Folgen wurden fast vergessen – das Bild des siegreichen „Türkenbezwingers“, des Begründers der Bayerischen Armee sowie des kunstsinnigen Herrschers und Bauherr prachtvoller Schlösser überstrahlt bis heute alles.
Ergänzt durch hochkarätige Leihgaben werden bekannte und unbekannte Bestände des Bayerischen Armeemuseums gezeigt, die ein vielfältiges Bild der „Legende“ Max Emanuel, ihrer Selbstdarstellung, ihrer Ambitionen, aber auch des höfischen Lebens zeichnen.
Daniel Biskup – Künstlerporträts
im Schaezlerpalais in Augsburg, bis 11. Oktober 2026
Menschen, Politik und das Schöne – das ist es, was Daniel Biskup interessiert. Der in Augsburg und Berlin lebende Fotograf ist bekannt für seine dokumentarischen Aufnahmen zur Zeitgeschichte. Im Schaezlerpalais präsentiert er nun erstmals eine neue Facette seines Schaffens: Künstlerporträts.
Die ersten der ausgestellten Bilder entstanden bereits 1989 im Augsburger Glaspalast. Damals ein „Lost Place“ der Textilindustrie, heute die Kunsthalle Augsburg. Künstler aus der Augsburger Szene wie Peter Lochmüller, Lisa Junghans und Martin Eder ließen sich schon damals ablichten. Im Lauf der Jahre kamen unter anderem Ai Weiwei, Gilbert & George, Georg Baselitz und viele andere dazu.
Charakterköpfe
Kunstvilla im KunstKulturQuartier in Nürnberg, bis 18. Oktober 2026
Den Kopf verlieren, einen eigenen Kopf haben, den Kopf hochtragen, etwas aus dem Kopf wissen – unzählig sind die Redewendungen rund um den menschlichen Kopf. Kunsthistorisch ist der Kopf mit dem Bildnis verbunden. Wo das Bedürfnis nach Ähnlichkeit und der damit verbundenen Repräsentation aufhört, fängt die Frage nach der Identität an. Eine Wirklichkeitsbeschreibung scheint in Zeiten unzähliger Selfies kaum mehr sinnvoll. Zudem scheinen in der Gegenwart nur noch plurale Identitäten möglich. Es verwundert daher nicht, dass sich in der Moderne viele Kunstschaffende für das Kopf-Thema interessieren: als Ausgangspunkt für Formfindungen, für eine existenzielle Suche oder um Fragen nach Schönheitsidealen und Gender zu stellen.
Wie Nürnberger Künstlerinnen und Künstler wie Franz Vornberger, Werner Knaupp, Christoph Gerling, Christine Colditz, Sejin Kim und andere das Motiv des Kopfes interpretieren, zeigt eine große Sonderausstellung in der Kunstvilla.
Antony Micallef. The Future Is Stupid
im Museum of Urban and Contemporary Art (MUCA) in München, bis 18. Oktober 2026
Die Ausstellung feiert mehr als zwanzig Jahre Karriere des Künstlers und vereint über fünfzig Schlüsselwerke aus Micallefs Schaffen sowie eine beeindruckende neue Gemäldeserie, die speziell für die Museumspräsentation geschaffen wurde. Zusammen bieten diese Werke einen umfassenden Überblick über einen der markantesten und einflussreichsten Maler des frühen 21. Jahrhunderts.
„The Future Is Stupid“ wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler im Rahmen eines einjährigen Artist-in-Residence-Programms, gefördert durch die MUCA Stiftung, entwickelt. Sie bietet eine seltene Gelegenheit, die gesamte Bandbreite von Micallefs Schaffen zu erleben. Die Ausstellung vereint Malerei, Skulptur, Animation und politisch engagierte Projekte und zeigt einen Künstler, der das ausdrucksstarke und kritische Potenzial der zeitgenössischen Malerei kontinuierlich vorantreibt.
Die Ausstellung „The Future Is Stupid“ zeichnet die Entwicklung von Micallefs künstlerischer Praxis nach, von seinem Erscheinen in der Öffentlichkeit nach der Anerkennung mit dem prestigeträchtigen BP Portrait Prize bis hin zu seiner Ernennung zum Louis Vuitton Visionary Anfang der 2020er Jahre.
Celebrating Fashion
im tim – Staatliches Textil- und Industriemuseum Augsburg, bis 25. Oktober 2026
Die Schau ist die erste museale Retrospektive zur Couture von Talbot Runhof. Sie beleuchtet die kreativen Quellen des Designer-Duos, die unverwechselbare Designsprache und die besondere Rolle, die das Mode-Label in der internationalen Fashionlandschaft spielt.
Die beiden Münchner Modeschöpfer Johnny Talbot und Adrian Runhof gehören zu den wenigen deutschen Designern, die mit ihren Kreationen mehr als zwei Dutzend Male auf der Pariser Fashion Week präsent waren. Gefeiert vor den Augen der Weltpresse machten ihre 25 Shows deutlich, wofür ihre beeindruckenden Entwürfe stehen: Opulente Eleganz, handwerkliche Präzision und die Kunst, besondere Momente sichtbar zu machen. Ihre Kreationen laden dazu ein, Schönheit zu erleben, Individualität und Selbstbewusstsein auszudrücken und das Leben zu feiern: Raffinierte Draperien, außergewöhnliche Silhouetten, kraftvolle Farben, Schwarz-Weiß- Optiken, florale oder grafische Muster - die Designs des Duos formen den Körper und eröffnen »good times« für alle, die sie tragen. Jedes Kleid macht aus einem Anlass ein Ereignis.
Musik, Film, Kunst, gesellschaftliche Entwicklungen und inspirierende Persönlichkeiten fließen ebenfalls in die Arbeiten von Talbot Runhof ein. Die Haltung ist klar: offen, empathisch und verantwortungsbewusst. Talbot Runhof feiert Vielfalt und hinterfragt Konventionen – ohne moralischen Zeigefinger, aber mit Stil.
Picasso.Handmade - Zeichnungen und Keramiken
im Cavazzen Museum Lindau, bis 1. November 2026
Mit „Picasso.Handmade“ kehren im Jahr 2026 die großen Sonderausstellungen der klassischen Moderne eindrucksvoll in das wiedereröffnete Cavazzen Museum im Herzen der Lindauer Insel zurück. Vom 2. Mai bis zum 1. November widmet sich Lindau einem der einflussreichsten Künstler der Moderne – und zeigt Pablo Picasso ganz nah und unmittelbar. Originale Meisterzeichnungen und Keramiken eröffnen einen neuen Blick auf das Werk des Jahrhundertgenies und knüpfen zugleich an eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte an: Seit 2011 haben rund eine Million begeisterte Besucherinnen und Besucher die Lindauer Kunstausstellungen erlebt.
„Nie war es wichtiger als jetzt, das Leben der Menschen in der Arktis und die Veränderungen, die sie durchmachen, in Worten und Bildern zu dokumentieren, damit die Welt sehen kann, was geschieht.“
Ragnar Axelsson. Greenland.
im Kunstfoyer, Versicherungskammer Kulturstiftung, bis 1. November 2026
Acht Staaten, eine Vielzahl indigener Völker, rivalisierende Großmächte: Die Arktis ist Heimat, Klima-Indikator, geopolitisches Terrain und Ressourcen-Reservoir zugleich. In der Arktis zeigt sich drastisch, was die Erderhit zung bewirkt: Permafrost taut, Küsten erodieren, Ökosysteme geraten aus den jahrhundertealten Bahnen. Der Rückzug des Eises wirkt sich zunehmend auch global aus: Meeresspiegel steigen und Wettersysteme geraten aus dem Gleichgewicht. Gleichzeitig wachsen machtpolitische und wirtschaftliche Begehrlichkeiten.
Seit über 40 Jahren fotografiert der Isländer Ragnar Axelsson Menschen, Tiere und Landschaften in den entlegensten Regionen Grönlands, Islands und Sibiriens. In dramatischen Schwarz-Weiß-Bildern fängt er die existentielle menschliche Erfahrung am Rande der bewohnbaren Welt ein. Anstatt lediglich den Klimawandel zu veranschaulichen, offenbaren seine Aufnahmen, wie Umweltveränderungen von den Menschen erlebt werden, deren Lebensgrundlage von Land, Meer und Eis abhängt.
Ragnar Axelssons Grönland zeigt die Realität einer sich rasch wandelnden Welt – einen Ort von einzigartiger Schönheit und ständiger Gefährdung. Eine Welt, die vor unseren Augen schmilzt – mit unkalkulierbaren globalen Folge. Die Ausstellung umfasst 60 Werke: die großartigen Fotografien und Texte vermitteln sowohl Schönheit als auch Vulnerabilität. Sie erzählen einfühlsam von Widerstandsfähigkeit, Verlust, Würde und einer Lebensweise unter dem Druck einer Außenwelt, die ihre Existenz ignoriert oder ihnen zu diktieren versucht, wie sie zu leben haben.
Hans - eine kleine Geschichte vom Glück. Fotografien von Stefan Winkelhöfer
im Freilichtmuseum Amerang, bis 8. November 2026
Vor einigen Jahren hat der in Regensburg geborene Fotograf Stefan Winkelhöfer einen alten Bauern kennengelernt, der ein ganz und gar ungewöhnliches Leben führt. Ein Mensch, der aus der Zeit gefallen zu sein scheint. So viel Bescheidenheit, so wenig Ansprüche ans Leben, so viel Zufriedenheit, so wenig Enttäuschung, obwohl der Hans wahrlich kein leichtes Leben hinter sich hat - das hat Winkelhöfer schwer beeindruckt.
Er begann beim Hans zu fotografieren und dokumentierte den Alltag des Hans in Schwarzweiß-Aufnahmen, für die er sich fünf Jahre Zeit nahm. Immer wieder hielt er ein Stück seines Lebens in Bildern fest. Auf diese Weise schuf er ein sehr persönliches Porträt eines Kleinbauern, der seinen Hof in seiner langen Existenz nur selten verließ. Als „Daheimgebliebener“ lebt er ein Leben, das partout nicht mehr in die moderne Zeit passen will.
Die Ausstellung erzählt in eindringlichen Bildern voller Sympathie die Geschichte vom Hans und von Dingen, die bald nicht mehr sein werden.
“Wo Worte aufhören, fängt die Musik an.”
Die Bayerische Landesausstellung 2026: Musik in Bayern
im Tonyversum in Freyung, bis 8. November 2026
Die Bayerischen Landesausstellung „Musik in Bayern“ ist ein Festival bayerischer Klänge, Rhythmen und Melodien. Ihre Ohren werden Augen machen! Vom Klang eines Wassertropfens über Choräle, höfische Opern, den Traditionen der Volksmusik bis hin zu Schlager, Rock, Pop, Rap und Techno in der Jetztzeit.
Großes Kino gleich am Anfang: Im Cineplex steigen Sie über einen klanggewaltigen, mitreißenden Film in die Ausstellung ein. Dann geht es mit Spektakel weiter - und es folgt eine immersive musikalische Reise vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Wir gehen gemeinsam mit den Besucherinnen und Besuchern auf Spurensuche: Was ist typisch bayerisch, und was trägt Bayern musikalisch in die Welt hinaus? Mit zahlreichen Medien- und Mitmachstationen und eindrucksvoll inszeniert zeigt die Landesausstellung ein Erlebnis für alle Sinne.
Live-Musik gehört dazu: An allen 199 Ausstellungstagen finden Konzerte, Performances oder Events in und um Freyung auf zahlreichen unterschiedlichen Bühnen, in Wirtshäusern, auf Marktplätzen, in Kirchen oder auf Waldlichtungen statt. Es wird gerockt und gejamt, gejodelt und geswingt, getanzt und gesungen.
Hereinspaziert, Manege frei! Jüdische Zirkusdynastien im 19. und 20. Jh.
im Jüdischen Museum Franken in Fürth, bis 6. Dezember 2026
Die Schau widmet sich der faszinierenden Welt des Zirkus – einen Ort des Staunens, der Unterhaltung und der Träume, der Menschen seit Jahrhunderten in seinen Bann zieht. Im Mittelpunkt stehen jüdische Zirkusdynastien, die das reisende Schaustellerwesen maßgeblich prägten.
Seit Beginn des 19. Jahrhunderts zogen jüdische Zirkusfamilien mit ihren Schau- und Zauberbuden, Wagen, Zelten und Tieren von Stadt zu Stadt. Sie begeisterten ihr Publikum mit Pferdedressuren, Clownerie, Zauberkunst und atemberaubender Akrobatik. Auch auf der Fürther Michaeliskirchweih waren sie regelmäßig zu Gast und schlugen ihre Zelte häufig auf dem Königsplatz auf – ganz in der Nähe des heutigen Jüdischen Museums Franken.
Die Ausstellung präsentiert Werbeplakate, Ansichtskarten, Programmhefte und Fotografien, die Einblicke in das Leben der Zirkusfamilien vor und hinter der Manege geben. Zu den besonderen Höhepunkten zählen originale Zirkusobjekte und seltene Filmaufnahmen aus den frühen 1930er Jahren, die die Atmosphäre der damaligen Zirkuswelt eindrucksvoll lebendig werden lassen.
Die Kunst der Vielfalt. Geheimnisse der Originalgrafik
im Kunstforum Hundertwasser in Lindau, bis 10. Januar 2027
Mit „Die Kunst der Vielfalt“ widmet sich das Kunstforum Hundertwasser einer zentralen Facette seines künstlerischen Wirkens: der Druckgrafik. Hundertwasser beherrschte klassische Techniken wie Lithografie, Siebdruck und Radierung ebenso wie innovative Verfahren, die er durch Foto-Lithografie, Prägedruck und fluoreszierende Farben erweiterte. In enger Zusammenarbeit mit Druckern entstanden komplexe Werke mit außergewöhnlicher Leuchtkraft, haptischer Tiefe und immer neuen Farbvarianten.
Erstmals ermöglicht die Ausstellung einen umfassenden Blick hinter die Kulissen von Hundertwassers Originalgrafik. Gezeigt werden Druckstöcke, Entwurfsplatten, handschriftliche Notizen, Fotografien und Probedrucke, die den experimentellen und vielschichtigen Entstehungsprozess seiner Werke nachvollziehbar machen. Die Ausstellung verdeutlicht, wie Hundertwasser die Druckgrafik als eigenständige Kunstform verstand – als Raum grenzenloser Vielfalt, den der Malerpinsel allein nicht erreichen kann.
A European Collection. Meisterwerke aus dem Khanenko Museum in Kyjw
im Christian Schad Museum Aschaffenburg, bis 10. Februar 2027
Das Bohdan und Varvara Khanenko Nationalmuseum in Kyjiw beherbergt den bedeutendsten Bestand abendländischer Kunst in der Ukraine und zählt damit zu den wichtigen europäischen Sammlungen seiner Art. Die Gemälde der Sammlung stammen überwiegend von namhaften, teils weltberühmten europäischen Künstlern des 15. bis 19. Jahrhunderts. Sie vermitteln einen Überblick über zentrale Positionen der europäischen Malerei und folgen zugleich der didaktisch geprägten Ordnung der Khanenko-Sammlung.
Zu den in der Ausstellung gezeigten Künstlern zählen unter anderem Peter Paul Rubens, Bernardo Bellotto, Pieter Brueghel d. J., Jacob Jordaens und Antonio Canova. Ergänzt wird die Präsentation durch Werke aus den Werkstätten von Hieronymus Bosch und Rembrandt. Das Ensemble veranschaulicht die vielfältigen kulturellen Verflechtungen Europas und steht exemplarisch für ein gemeinsames, über Jahrhunderte gewachsenes Kulturerbe.
Die Ausstellung ist das Ergebnis einer außergewöhnlichen internationalen Kooperation zwischen dem Khanenko Nationalmuseum und den Museen der Stadt Aschaffenburg. Ausgewählte Werke aus der Sammlung des Khanenko Museums wurden in den vergangenen Jahren bereits an verschiedenen europäischen Ausstellungsorten präsentiert, um ihren Erhalt zu sichern und zugleich ihre öffentliche Zugänglichkeit zu gewährleisten. Im Christian Schad Museum werden sie nun erstmals in einer umfassenden Präsentation zusammengeführt. Damit entsteht die bedeutendste und umfangreichste Ausstellung ukrainischen Kulturbesitzes in Europa seit Beginn des Krieges.
“Jedes einzelne Wimmelbuch ist ein Teil von mir. Meine Wimmelbücher sind gemacht, um Kinder in die Gärten der Fantasie zu führen, dass sie selbst weitermachen.”
Augen auf! Ali Mitgutsch und das große Gewimmel
in der Internationalen Jugendbibliothek in München, bis 21. März 2027
Ali Mitgutsch gilt als Vater des Wimmelbuchs. „Rundherum in meiner Stadt“ aus dem Jahr 1968 ist sein erstes Wimmelbuch und ein Klassiker der Kinderliteratur. Mit kunterbunten Bildern erzählt Ali Mitgutsch gestenreich, verspielt und mit viel Witz vom Alltag in der Stad und auf dem Land, in den Bergen und am Wasser. Ohne Worte bringt er Geschichten aufs Papier, an denen Kinder und Erwachsene ihren Spaß haben. Etwas Schadenfreude ist oft dabei, wenn er kleine Missgeschicke im Bild festhält: Da ist das Mädchen, das von Luftballons in die Luft gehoben wird, da der Mann, der seinen Hintern zu sehr ausstreckt, dort die Frau, deren Hut vom Kopf weht, oder der Junge, der nassgespritzt wird. Auf seinen Bildern breitet Mitgutsch eine Miniaturwelt aus, in der gelacht, gebrüllt, gestaunt und geweint wird. Alles ist bei ihm in Bewegung, kaum jemand steht still. Kinder fallen hin, rutschen aus, rennen, springen, tanzen. Wer Ali Mitgutschs Wimmelbilder betrachtet, wird Teil einer großen Gemeinschaft.
Seine Wimmelbücher haben Ali Mitgutsch berühmt gemacht, aber sein Werk ist weitaus größer. Er hat mehr als 70 Bilderbücher geschaffen: Wimmelbücher, Sachbilderbücher, Märchen, eigene Geschichten. Dazu Objekte und freie Arbeiten. In der Ausstellung soll das Werk in seiner Breite und Vielfallt gewürdigt werden. Aus dem reichen Fundus des Künstlernachlasses, den die Söhne und die Tochter von Ali Mitgutsch verwalten, werden Originale seit seinen künstlerischen Anfängen in den 1950er Jahren bis zu Beginn des 21. Jahrhunderts gezeigt. Neben den Originalen zu den Wimmelbüchern werden Bilder, Zeichnungen und Skizzen gezeigt, die bisher noch nie zu sehen waren. Sie alle erzählen von einem Künstler, den es auf zahlreichen Reisen in die Ferne zog und der gleichzeitig tief in München und Bayern verwurzelt war.
Römer - Gesichter eines Weltreichs
im Lokschuppen Rosenheim, bis 1. August 2027
753 vor Christus: Rom schlüpft aus dem Ei. Aus einem kleinen Dorf am Tiber wächst eines der größten Imperien der Weltgeschichte: das Römische Reich. Aus ungewohnter Perspektive erzählt der Lokschuppen von dessen Menschen und ihren Identitäten. Bürger und Händlerinnen, Legionäre und Landwirte, Kinder und Kaiser, Götterverehrerinnen oder Gladiatoren. Persönlich, eindringlich und nah.
Eine lebendige Mitmachausstellung zeichnet das Bild eines Alltags zwischen Luxus und Lebensschicksal. Über 500 faszinierende Originale laden zum Staunen ein – von spektakulären Schatzfunden bis hin zu Dingen des täglichen Lebens. Der wahre Schatz aber liegt in ihren Geschichten über Begegnung, Wandel und Verschmelzung. Wer genau hinsieht, erkennt: Die Spuren der Vergangenheit führen direkt ins Heute.
Über die Welt hinaus - der Blaue Reiter
im Lenbachhaus in München, bis 5. September 2027
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts formierte sich in München ein Kreis von Künstlerinnen und Künstlern mit einer Vision. Sie hatten das gemeinsame Ziel, die Kunst zu erneuern und die Gesellschaft zu verändern.
Besonders wichtig in diesem Unterfangen waren die beiden Ausstellungen der Redaktion "Der Blaue Reiter in München 1911–12". Der Titel nahm explizit Bezug auf das Vorhaben des Almanachs: Dieses programmatische Jahrbuch etablierte den Blauen Reiter als Teil eines weltweiten, epochen- und gattungsüberschreitenden Kunstschaffens. Der Blaue Reiter war jedoch mehr als das: Er basierte auf einem Netzwerk des Austauschs, das kulturelle Unterschiede als kreative Ressource verstand. In einem transnationalen Dialog – vom Deutschen Kaiserreich und Frankreich bis ins Russische Reich und in die USA – schufen die Beteiligten neue Bildsprachen für eine sich wandelnde Welt. Viele von ihnen lebten unkonventionelle Lebensentwürfe, stellten Geschlechterrollen in Frage und suchten nach neuen Formen der Darstellung jenseits bürgerlicher Normen.
Die Ausstellung rückt ihre wegweisenden Errungenschaften in den Mittelpunkt – von Franz Marcs symbolischer Farbtheorie über Wassily Kandinskys Abstraktionen bis hin zu Alexander Sacharoffs performativen Grenzüberschreitungen. Besonderes Augenmerk gilt den Künstlerinnen, die – für ihre Zeit ungewöhnlich sichtbar – eine zentrale Rolle in der Bewegung spielten. Neben Gabriele Münters expressiver Malerei treten ausdrucksstarke Selbstporträts von Elisabeth Epstein, die dramatischen Gemälde der Kosmopolitin Marianne von Werefkin und Maria Franck-Marcs hintergründige Stillleben und utopische Kinderwelten.
Bedeutende Neuzugänge zur Sammlung des Lenbachhauses wie die großformatigen abstrakten Kompositionen von Wilhelm Morgner oder sozialkritische Werke von Emmy Klinker und Albert Bloch sind erstmals zu sehen. Mit über 150 Arbeiten eröffnet die Ausstellung neue Perspektiven auf eine der bedeutendsten Bewegungen der europäischen Avantgarde und zeigt, wie aktuell ihre Fragen nach Emanzipation, ästhetischer Praxis und gattungsübergreifenden Innovationen auch heute sind. Der Blauen Reiter verstand Kunst als Botschaft und nicht als bloßes Problem der (schönen) Form. So beschreibt Else Lasker-Schüler 1911 in einem Gedicht die Suche nach einem weiteren Horizont mit den Worten: "Über die Welt hinaus."
Die Ausstellung findet im Rahmen der Vorbereitungen unseres Jubiläums "100 Jahre Lenbachhaus 1929 / 2029" statt.
“Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.”
Paul Klee. Der Poet des Blauen Reiter
im Schloßmuseum Murnau, bis 26. November 2028
Paul Klee wurde innerhalb der Künstler und Künstlerinnen des Blauen Reiter stets eine Sonderstellung zugesprochen. Im Dialog mit Gemälden von August Macke, Robert Delaunay, Franz Marc, Wassily Kandinsky und Gabriele Münter wird Klees enge Verbundenheit mit dem Künstlerkollektiv um den Blauen Reiter deutlich und seine Position zwischen Inspiration und künstlerischer Eigenheit nachvollziehbar.
Zum 30-jährigen Bestehen des Museums übergab die KK-Stiftung Murnau 2023 dem Schloßmuseum Murnau seine Blaue Reiter-Sammlung als Dauerleihgabe. Die Werke, die aus dem engen Kontext der legendären Murnauer Malaufenthalte von Gabriele Münter, Wassily Kandinsky, Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky zwischen 1908 und 1910 stammen und wie die Arbeiten von Franz Marc, August Macke, Heinrich Campendonk und Alfred Kubin unmittelbar in Beziehung zu den Ereignissen um die Redaktionssitzungen und die Herausgabe des Almanachs “Der Blaue Reiter” 1911 stehen, zählen zu den Hauptwerken des deutschen Expressionismus. Das Ehepaar, das seine Blaue Reiter-Sammlung in die KK-Stiftung überführt hat, stellt für diese Sonderschau zusätzlich ausgewählte Arbeiten aus seiner Paul Klee-Sammlung zur Verfügung.
Die Ausstellungsempfehlungen sind kuratiert von Nathalie Schwaiger und Bianca Faletti, Infopoint Museen & Schlösser in Bayern. Die Ausstellungstexte basieren auf den Pressetexten der jeweiligen Museen und Ausstellungshäuser.