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Willkommen in der Welt des Porzellans

Wer auf der A93 durch das Fichtelgebirge fährt, merkt schnell, dass Porzellan hier eine ganz besondere Rolle spielt. Alle paar Meter kommen Hinweise auf die “Porzellanregion”, die “Porzellanstadt” oder “Natur und Porzellan”. Tatsächlich ist das weiße Gold rund um Selb tief verwurzelt. Kaum eine Familie, die in ihrer Geschichte nicht einen Bezug zur Porzellanindustrie hat, kaum ein Ort, in dem es nicht früher oder noch heute Betriebe gibt, die sich in irgendeiner Form mit Porzellan beschäftigen.

Bis zum 27. Juli könnt Ihr auch bei uns im Infopoint der Museen & Schlösser in Bayern einen ersten Einblick in die faszinierende Welt der Porzellanherstellung bekommen. Schaut vorbei!

Foto einer Treppe: Im Hintergrund sind Ausstellungsvitrinen zu sehen.
Treppenhaus im Porzellanikon Hohenberg an der Eger  © Porzellanikon, Foto: Manfred Jahreiß

Auch wenn viele Hersteller heute nicht mehr produzieren, ist die Porzellanindustrie nach wie vor ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Gerade weil durch den Strukturwandel immer mehr Hersteller vom Markt verschwinden, ist die Traditionspflege in der Region so wichtig. Sammelpunkt und Leuchtturm für dieses Bewahren, Sammeln und Vermitteln ist das Porzellanikon - Staatliches Museum für Porzellan. An zwei historischen Standorten - einer ehemaligen Fabrikantenvilla in Hohenberg und einer ehemaligen Porzellanfabrik in Selb - wird geballtes Wissen, alte Technik und Kulturgeschichte am authentischen Ort gesammelt, bewahrt und ausgestellt.     

Selb - Fabrik und Technik

Bis eine Tasse, ein Teller oder eine Teekanne in der Vitrine oder auf dem Tisch steht, sind unzählige Arbeitsschritte nötig. Diesen - im wahrsten Sinne des Wortes - steinigen Weg vom unscheinbaren Steinbrocken bis zum edlen Geschirr erleben Besucherinnen und Besucher hautnah im Porzellanikon Selb. Die historische Fabrik ist ein Musterbeispiel hochindustrieller Arbeitsteilung. Schritt für Schritt wird aus den Rohstoffen in der “Massemühle” zunächst die Porzellanrohmasse, aus der dann in der “Weißfertigung” durch Drehen oder Gießen das jeweilige Porzellanstück entsteht. Im “Buntbetrieb” kommt schließlich das bunte Dekor aufs Porzellan. Jedem dieser Herstellungsschritte ist im Museum ein eigenes Haus gewidmet. 

Luftaufnahme eines großen weißen Fabrikgebäudes
Luftbild des Porzellanikons Selb © Porzellanikon; Foto: jahreiss. kommunikation foto film, Hohenberg a. d. Eger

Steine in weißes Gold verwandeln

Das Highlight der Massemühle sind die schweren Maschinen und die beeindruckenden Räumlichkeiten. Gleich zwei tonnenschwere Dampfmaschinen sind hier zu bestaunen, eine davon erwacht sogar stündlich bei einer Vorführung zum Leben und vermittelt zusammen mit den großen Trommelmühlen einen Eindruck von der ohrenbetäubenden Geräuschkulisse, in der die Porzelliner ihre Arbeit verrichteten. Schwere Räder und Transmissionsriemen verteilten die Kraft auf eine Vielzahl von Maschinen, die die groben Steinbrocken aus Quarz und Feldspat nach und nach in feines Mehl verwandelten. Zum Schluss kam die magische Zutat, das Kaolin, mit in die Mischung. 

Foto einer großen Dampfmaschine
Das Herz der Fabrik: die große Dampfmaschine im Porzellanikon Selb © Porzellanikon; Foto: Andreas Gießler

Porzellanherstellung live miterleben

In der Weißfertigung wurde aus der rohen Masse im Gieß- oder Drehverfahren das feine Geschirr gefertigt. Beide Techniken können Besucherinnen und Besucher live erleben. Wie wird aus Schablone und Form ein Becher? Wie kommt der Hohlraum in die Zuckerdose und warum ist Gips so entscheidend bei der Porzellanherstellung. Unsere Experten beantworten nicht nur diese Fragen, sondern plaudern auch gerne aus dem Nähkästchen ihrer zum Teil jahrzehntelangen Berufserfahrung in der Porzellanindustrie und gehen auf jede erdenkliche Frage ein. Ein Highlight zum Schluss sind die großen, im Original erhaltenen Brennöfen, die sich über mehrere Stockwerke erstrecken und in denen die früher das Porzellan bei einer Gluthitze von über 1400° über viele Stunden gebrannt wurde.

Ein Mann dreht einen Porzellanbecher.
Vorführung im Porzellanikon Selb © Porzellanikon

Porzellinerleben - der Mensch hinter dem Handwerk

Doch nicht nur die technischen Abläufe der Porzellanherstellung werden in Selb eindrucksvoll vermittelt. In der Abteilung "Porzellinerleben" steht der Mensch im Mittelpunkt. Wie war der Arbeitsalltag in der Fabrik? Wie wohnten und arbeiteten die Porzelliner und wie verbrachten sie ihre knappe Freizeit? Wie gut konnte man vom gezahlten Lohn leben und welche Gesundheitsgefahren lauerten in der Fabrik? Die interaktive Ausstellung vermittelt ein anschauliches Bild des Lebensalltags der Porzelliner. Die Besucherinnen und Besucher erleben die Enge der Wohnräume und die Schwere der Arbeit am eigenen Leib und staunen über Anekdoten aus dem Arbeitsalltag. Bier während der Arbeit? Das war damals gang und gäbe! 

Rot beleuchteter Ausstellungsraum: in der Mitte steht eine Vitrine mit vier gefüllten Bierkrügen.
Blick in die Ausstellung “Porzellinerleben”  © Porzellanikon; Foto: Andreas Gießler

Rosenthal - ein Mythos

Die in den 1860er Jahren von Jakob Zeidler gegründete Fabrik wurde 1917 von Rosenthal übernommen und bis zu ihrer Schließung in den 1960er Jahren betrieben. Diese tiefe Verbundenheit mit der Marke Rosenthal kommt in der Ausstellung “Rosenthal - Ein Mythos” zum Ausdruck. Hier tauchen die Besucherinnen und Besucher tief in die von Philipp Rosenthal und Philipp Rosenthal junior geprägte Unternehmensgeschichte ein. Sie erleben, wie die starken und sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten von Vater und Sohn die Entwicklung des Unternehmens und seiner Produkte bestimmten und lenkten.

Ausstellungsraum mit einer Vielfalt an Porzellangeschirr, das auf schwarzen Tischen präsentiert wird.
Blick in die Ausstellung “Rosenthal – Ein Mythos” © Porzellanikon

Zeitreise durch 300 Jahre Kulturgeschichte

Wenn Selb der industrielle Maschinenraum des Porzellanikons ist, dann ist Hohenberg seine Schatzkammer. In den authentischen Räumen der alten Hutschenreuther Fabrikantenvilla trifft man auf edles Porzellan, so weit das Auge reicht. Nach Epochen und Themen angeordnet reihen sich hier die Highlights der 300-jährigen Kulturgeschichte des Porzellans aneinander. Von den schwierigen Anfängen der Porzellanherstellung am Hofe Augusts des Starken bis zur Designer- aber auch Massenware der Nachkriegszeit bis 1989 ist hier alles vertreten, was Rang und Namen hat. Eindrucksvoll ist zu sehen, welche Trends in den jeweiligen Jahrzehnten das Porzellandesign prägten und wie sich Schlichtheit und Verspieltheit abwechselten. Die Zeitreise durch die Jahrhunderte ist ein eindrucksvolles Erlebnis. Durch seine idyllische Lage inmitten der Natur ist das Porzellanikon Hohenberg wie geschaffen für einen entspannten Ausflug in die Welt des Porzellans.

Luftaufnahme eines großen weißen Gebäudes inmitten von Bäumen
Luftbild des Porzellanikons Hohenberg a. d. Eger © Porzellanikon; Foto: jahreiss. kommunikation foto film, Hohenberg a. d. Eger

Schach und Porzellan – Die Welt auf 64 Feldern (externer Link, öffnet neues Fenster)

Eine Sonderausstellung, die Lust darauf macht, das verstaubte Schachbrett zu Hause mal wieder aus dem Schrank zu holen! 

Bleibt auf dem Laufenden @porzellanikon (externer Link, öffnet neues Fenster)

Infos zu aktuellen Veranstaltungen und spannende Einblicke in die Porzellanherstellung.

Porzellanikon Selb 

Mit welchem Aufwand die Herstellung von Porzellan von den Rohstoffen bis zum fertig dekorierten Stück verbunden ist, wird begreif- und erfahrbar im Porzellanikon in Selb.

Porzellanikon Hohenberg

Über 300 Jahre Tradition und gleichzeitig hoch aktuell: die faszinierenden Facetten des Porzellans werden mit viel Wissen und Leidenschaft an den beiden Standorten des Porzellanikons inszeniert.

Ein Gastbeitrag des Porzellanikons