Gute Ausstellungen in denkmalgeschützten Bauten zu realisieren, kann besonders knifflig sein. Nicht nur die Kunstwerke oder Ausstellungsobjekte müssen in Szene gesetzt werden, auch auf das manchmal jahrhundertealte Bauwerk muss Rücksicht genommen werden. Wir stellen Euch Museen in München vor, die genau diesen Spagat gemeistert und spannende Ausstellungen in genauso spannenden Baudenkmälern untergebracht haben.
Lenbachhaus
Beginnen könnt ihr euren Rundgang an der Städtischen Galerie im Lenbachhaus. Diese erreicht ihr nach einem kurzen Spaziergang vom Hauptbahnhof oder mit der U-Bahnlinie 2 an der Station “Königsplatz”. Manch ein Münchner kennt mittlerweile vielleicht eher den modernen An- und Neubau, innerhalb dessen befindet sich aber nach wie vor die denkmalgeschützte Villa des „Malerfürsten“ und Namensgebers des Museums, Franz von Lenbach. Gabriel von Seidl schuf die gelbe Villa zwischen den Jahren 1887 und 1891 im Stil der Neurenaissance. Nach Kriegsschäden wurde das Ensemble bis 1952 weitgehend wieder hergestellt. Der zugehörige Vorgarten mit Brunnen und Plastiken samt Gartenmauer und Pergola ist zur gleichen Zeit entstanden und heute übrigens auch ohne Museumsticket während der Öffnungszeiten frei zugänglich. Eine echte Oase mitten in der Stadt! Das heutige Lenbachhaus gründet seinen Ruf als international bedeutendes Museum auf seiner einzigartigen Sammlung von Werken des „Blauen Reiter“ (u. a. Wassily Kandinsky, Franz Marc, August Macke, Gabriele Münter und Paul Klee).
Glyptothek und Antikensammlung
Nur einen Katzensprung vom Lenbachhaus entfernt liegen sich die Antikensammlung und die Glyptothek am Königsplatz gegenüber. Und nein, ihr seid nicht plötzlich in Griechenland gelandet! Die Glyptothek befindet sich auf derselben Seite wie das Lenbachhaus, folglich steht die Antikensammlung auf der anderen Seite. Falls ihr besonders angeben wollt, könnt ihr auf die verschiedenen Säulen vor den Museen verweisen. Den Eingang der Glyptothek schmücken ionische Säulen, die man an ihrem schneckenartigen Aufsatz am Kapitel erkennt. Bei der Antikensammlung hingegen handelt es sich um korinthische Säulen, deren Krönung eher an einen Korb mit Blätterkränzen erinnert. Die beiden Häuser am Münchner Königsplatz gehören zu den international führenden Museen für antike Kunst. Hier sind griechische, römische und etruskische Meisterwerke ausgestellt, die von euch entdeckt werden wollen. Sehr zu empfehlen ist auch das Museumscafé der Glyptothek, bei dem man bei schönem Wetter im Innenhof sitzen kann. Falls ihr euch vor dem Rest des Rundgangs nochmal stärken wollt, ist das sicher die richtige Adresse!
Residenzmuseum
Was wäre München ohne die Wittelsbacher? Überall in der Stadt haben sie ihre Spuren hinterlassen. Am besten kann man Ihre Geschichte wohl im Residenzmuseum erfahren. Vom Königsplatz müsst ihr dazu einfach nur die Briennerstraße entlanglaufen, um auf dem Odeonsplatz zu landen. Mit ihren ca. 130 Räumen gehört die Münchner Residenz zu den bedeutendsten Raumkunstmuseen der Welt. Sie war einst das Stadtschloss der bayerischen Herzöge und Könige. Der Komplex, der ab 1348 aus einer vorherigen Wasserburg hervorging, umfasst zahlreiche Highlights wie die Hofkapelle von 1603, den Grottenhof mit dem Perseusbrunnen von 1595 und das Antiquarium aus dem 16. Jahrhundert. Der Königsbau, im Palaststil des Quattrocento, wurde zwischen 1826 und 1835 von Leo von Klenze erbaut und nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wiederhergestellt. Ergänzt wird das Ganze durch den Hofgarten, der vor allem in der schönen Jahreszeit zum Verweilen einlädt. Aber auch in die verschiedenen Innenhöfe könnt ihr ohne Ticket einen Blick hineinwerfen.
Haus der Kunst
Wenn ihr den Hofgarten durchquert und in Richtung englischer Garten lauft (übrigens auch ein eingetragenes Denkmal), landet ihr auf der Prinzregentenstraße. Einer der ersten Bauten ist das heutige Haus der Kunst. Dieses hat eine wechselvolle und bewegte Geschichte. Der flachgedeckte monumentale Ausstellungsbau mit Kalksteinverkleidung diente von 1937 bis 1945 der nationalsozialistischen Propaganda. Nach dem Krieg war hier das Casino der amerikanischen Militärregierung untergebracht. In den 1950er-Jahren entwickelte es sich zu einem renommierten Museum, das vor allem zeitgenössische Kunst zeigt, aber auch Querverbindungen zur Kunst früherer Jahrhunderte aufbereitet. Um zur nächsten Station zu gelangen, geht ihr einfach immer die Prinzregentenstraße entlang.
Tipp!
Auf eurem Weg zur nächsten Station kommt ihr an der Eisbachwelle vorbei. Hier könnt ihr ganzjährig mutige Surfer beobachten, die versuchen, die Welle zu reiten.
Bayerisches Nationalmuseum
Nicht weit vom Haus der Kunst entfernt, immer an der Prinzregentenstraße entlang, befindet sich das Bayerische Nationalmuseum. Es ist eines der größten kulturhistorischen Museen in Europa und in einem beeindruckendem Denkmal nahe der Isar zuhause. Die Sammlung umfasst vielfältige Exponate aus verschiedenen Epochen und Kulturen, darunter Kunst, Kunsthandwerk, Möbel, Kleidung und religiöse Objekte - die Bestände reichen von der Spätantike bis zum frühen 20. Jahrhundert. Kerngebiet - das verrät der Name des Museums - ist Süddeutschland mit dem Schwerpunkt auf der bayerischen Kulturgeschichte. Das Bayerische Nationalmuseum ist ein Gruppenbau des Münchner Späthistorismus, erbaut vom berühmten Architekten Gabriel von Seidl in den Jahren zwischen 1894 und 1900. Bis ins Jahr 2000 wurde der imposante Bau nach schweren Kriegsschäden wiederhergestellt. Das Denkmal ist reich und kunstvoll verziert: Selbst an Türmchen und Ziergiebeln wurde nicht gespart - wer etwas Zeit mitgebracht hat, entdeckt immer mehr bauliche Details wie zum Beispiel die künstlerischen Gartenmauern und Zäune zu allen Seiten des Gebäudes. Ein echtes Kleinod befindet sich im kleinen "Jausengarten" neben dem Haupteingang: Der Narziss-Brunnen ist umgeben von einer dreiflügeligen Arkadenhalle, in der Mitte des großen Bodenbeckens sitzt ein bronzener Narziss, geschaffen von Künstler Hubert Netzer im Jahr 1896. Narziß ist fasziniert von seinem eigenen Antlitz, welches sich im Wasser des Troges, auf dessen Rand er sitzt, spiegelt.
Monacensia im Hildebrandhaus
Seht ihr schon den goldenen Friedensengel? In seine Richtung müsst ihr für den nächsten Teil des Rundgangs gehen. Auch er steht in der bayerischen Denkmalliste. Wenn ihr die Aussicht nach der kurzen Steigung zum Engel genossen habt, könnt ihr weiter in die Maria-Theresia-Straße einbiegen. Das Haus mit der Nummer 23 ist das sogenannte Hildebrandhaus und beherbergt heute die Monacensia. Ähnlich wie beim Lenbachhaus haben wir es auch hier mit einer ehemaligen Künstlervilla zu tun. Der Bildhauer Adolf von Hildebrand ließ die Villa mit neubarocken Formen und Winkelturm ab 1895 nach seinen Wünschen von Gabriel von Seidl bauen. Im östlichen Flügel entstand zudem ein Atelier für Hildebrand, dass mittlerweile für Veranstaltungen zur Verfügung steht. Das Hildebrandhaus war zudem eines der ersten Häuser in München, das unter Denkmalschutz gestellt wurde. Die Monacensia ist das Literaturarchiv der Stadt München und gilt als das literarische Gedächtnis der Stadt. Sie fungiert nicht nur als Archiv und Bibliothek, sondern auch als Ausstellungshaus und Studienort.
Deutsches Museum
Nun könnte ihr ganz entspannt in den Maximiliansanlagen an der Isar in Richtung Süden weiterspazieren. Dabei kommt ihr noch einmal am Friedensengel vorbei sowie am Maximilianeum, das auch unter Denkmalschutz steht. Hier sitzt der Bayerische Landtag. Unweit davon dürftet ihr schon den nächsten imposanten Seidl-Bau erblicken. Idyllisch auf der Museumsinsel gelegen, besticht das Deutsche Museum allein schon durch seine Größe. Der 500 Meter lange Gruppenbau erstreckt sich um mehrere Höfe und war eines der ersten Stahlbeton-Bauwerke in München. Es war der große Traum des Elektrotechnikers Oskar von Miller, ein naturwissenschaftlich-technisches Museum zu gründen. Die neuklassizistischen Formen des Deutschen Museums mit einer Observationskuppel und einem markantem Uhrenturm dachte sich Gabriel von Seidl aus. Die Eröffnung erfolgte 1925. Der Bau wuchs danach aber immer weiter: Es kamen noch eine Bibliothek und eine Kongresshalle hinzu. Während des Zweiten Weltkriegs wurden leider 80 Prozent der Gebäude zerstört und es dauerte bis zum Jahr 1965, bis das Museum in seinen Vorkriegszustand zurückkehrte. Das Deutsche Museum gehört zu den größten Wissenschafts- und Technikmuseen weltweit und bietet eine riesige Auswahl an Themen – von Atomphysik über Chemie bis hin zur Luft- und Raumfahrt. Besonders beeindruckend sind die Sammlungen von Druckmaschinen, Motoren und riesigen Flugzeugen.
Bier- und Oktoberfestmuseum
Über die Ludwigsbrücke geht es bei unserem Spaziergang wieder auf die andere Isarseite. Wir steuern nun auf das Isartor zu. Ihr könnt euch sicher denken, dass dieser imposante Bau auch ein Denkmal ist. Wenn ihr der Straße Tal folgt, werdet ihr in der ersten Straße links (Sterneckerstraße) ein weiteres Denkmal entdecken. Deutlich weniger spektakulär, aber nicht minder interessant, präsentiert sich das Gebäude mit der Nummer 2. Dieses viergeschossige Altmünchner Bürgerhaus stammt aus der Mitte des 14. Jahrhunderts, wurde aber im 15. Jahrhundert umfassend erneuert. Die Bemalung an der Fassade wird Quaderbemalung genannt. Heute beherbergt dieses ehrwürdige Haus das Bier- und Oktoberfestmuseum. Und wo, wenn nicht in München, könntet ihr euch besser über die Geschichte des Biers informieren? Das Museum zeigt die Entwicklung der Münchner Brauereien und der Bierherstellung von der Antike bis heute und erzählt die Geschichte des Münchner Oktoberfestes.
Rathausgalerie
Für unsere letzte Station müssen wir zum Münchner Marienplatz. Diesen erreicht ihr am besten, wenn ihr der Straße Tal weiter folgt. Den Platz dominiert das Neue Rathaus im neugotischen Stil, das ab 1867 in drei Bauabschnitten bis 1909 entstand. Das Neue Rathaus ist der heutige Sitz des Oberbürgermeisters, des Stadtrats und der Stadtverwaltung. Im Gebäude befindet sich allerdings auch in der ehemaligen Kassenhalle die Rathausgalerie. Der Name Kassenhalle führt auf die vorherige Funktion des Raums zurück, der bis in die 1970er Jahre die zentrale Anlaufstelle für die Münchner war, um ihre Steuern und Gebühren zu zahlen. Diese mussten in bar erbracht werden. Nachdem diese Funktion obsolet wurde, entschied man sich, den Raum für Ausstellungen von Münchner Künstlern und Künstlerinnen zu nutzen. Der Fokus liegt dabei vor allem auf Gegenwartskunst, hauptsächlich aus der Region.
Tipp!
Wenn ihr einen schönen Blick über euren zurückgelegten Weg haben wollt, könnt ihr noch den Turm des Rathauses besteigen. Das geht auch ganz ohne weitere Anstrengung mit dem Aufzug.
Ein Gastbeitrag des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege
Marie Sedlmair