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Wer quakt denn da? Das Erika-Fuchs-Haus wird 10!

Wer kennt sie nicht? Dagobert und Donald Duck, VIP-Einwohner aus Schwarzenbach an der Saale. Der kleine Ort im Fichtelgebirge ist ein Hotspot für große und kleine Comic-Fans. Seit dort 2015 ein Museum eröffnete, pilgern “Donaldisten” in den Nordosten Bayerns. Denn die Übersetzerin Erika Fuchs war es, die den Charakter-Enten erst das Schnattern beibrachte, zumindest auf deutsch - und maßgeblich zum Kultstatus von Donald und Co. beigetragen hat. Fast ein halbes Jahrhundert lang hat sie die Micky-Maus-Hefte übersetzt.

Fotoporträt von Erika Fuchs mit grauen Haaren
Aber bitte mit Humor: Erika Fuchs hat sich mit ihren Geschichten aus Entenhausen ein Denkmal gesetzt. Foto: Ehapa-Verlag © Erika Fuchs Haus

Sie war eine Pionierin und eine Trendsetterin. Erika Fuchs, 1906 geboren als Johanna Theodolinde Erika Petri in Rostock, setzte sich schon als Kind durch. Sie erreichte, dass sie als erstes Mädchen das Knabengymnasium im Ort besuchen durfte. Nach dem Abitur zog es sie hinaus in die weite Welt, sie studierte Kunstgeschichte in Lausanne, München und London. Dort lernte sie so gut Englisch, dass sie später damit ihren Lebensunterhalt verdiente. 

Mit ihrem Mann Günter Fuchs zog sie in dessen Heimatdorf, einem kleinen Ort im Fichtelgebirge, nicht weit von der tschechischen Grenze. Nach dem Krieg suchte Erika Fuchs eine Arbeit - so kam sie dazu, die Micky-Maus-Hefte zu übersetzen. Ihr Mann, ein "Ingeniör, dem nichts zu schwör" war, hatte eine Kachelofen-Firma, war viel unterwegs und hat sie bestimmt auch auf die eine oder andere gute Idee gebracht.
 

“Tick, Trick und Track gehörten zur Familie” - im Gespräch mit dem Sohn Nikolaus Fuchs

Blick in die Ausstellung, wo Dagobert Duck in einen Geldhaufen springt
© Erika Fuchs Haus

"Sie bewarb sich beim Reader's Digest und war sehr froh, als man ihr als Übersetzerin in der fränkischen Provinz eine Chance gab. Es lief gut und als man ihr dann 1951 das neue Micky Maus aus den USA anbot, ein dünnes Heftchen mit bunten Bildern, in dem Mäuse und Enten sich in Sprechblasen unterhielten, wollte meine Mutter erst gar nicht", so verrät uns ihr Sohn Nikolaus Fuchs, 84, "Sie zeigte es meinem Vater und dem gefielen die Zeichnungen. Denn wenn man genau hinschaut, sind alle Disney-Figuren auf Basis eines Kreises aufgebaut. Das ist wirklich sehr spannend und gut gemacht. So hat mein Vater letztlich meine Mutter überzeugt, dass sie die Micky-Maus-Hefte übersetzen sollte."

75 Pfennig kosteten damals die Heftchen - in den 50er Jahren war das viel Geld. Heute sind sie viel mehr wert und bei Sammlern äußerst beliebt. "Ich habe leider nicht viele Hefte aufgehoben", gesteht Nikolaus Fuchs, "Für uns gehörten Donald, Tick, Trick und Track fast zur Familie und zum Alltag." 

Dem Stuttgarter Ehapa-Verlag war bald klar, dass sie mit Erika Fuchs einen absoluten Glücksgriff gemacht hatten. Denn sie übersetzte in ihrem Arbeitszimmer in Schwarzenbach nicht einfach nur wortwörtlich und 1:1, sondern sie schuf - mit viel krawumm, zisch, peng, Phantasie, Humor und Sprach-Fingerspitzengefühl - ein eigenes, Enten- und Maus-Universum.

Erika, Disney und Entenhausen

Comic-Zeichnung von Erika Fuchs mit Sprechblasen
© Erika Fuchs Haus

"Einmal wurde meine Mutter auch in die USA und nach Disneyland eingeladen", erzählt Nikolaus Fuchs, "das hat ihr aber nicht so gut gefallen. Sie mochte ihr eigenes Entenhausen und ihre Charaktere." Auch Ruhm und Titel waren ihr nicht wichtig. Obwohl sie laut Impressum auch Chefredakteurin des Magazins war. "Was meine Mutter liebte, war mit Sprache zu spielen, ihre Klassiker und den Jugendjargon der Zeit einfließen zu lassen", erinnert sich Nikolaus Fuchs. 

Sie hat sogar einen eigenen Kasus erschaffen: den Inflektiv, ihr zu Ehren auch "Erikativ" genannt - grübel grübel und studier - die höchst modern-anmutende, lautmalerische Verkürzung von Verben auf ihren Stamm. Außerdem ließ sie Donald und die Ducks (bitte mit “U”) Goethe und Schiller zitieren, wie ihnen der Schnabel gewachsen war und verewigte Schwarzenbacher Lokalgrößen, Geschäfte und Orte von Oberkotzau bis Café Rheingold. Auch berühmte deutsche Persönlichkeiten, Showstars und Schauspieler von Heino bis Winnetou bekamen ihre Gastauftritte in Erikas Entenhausen.

Am liebsten mochte Erika Fuchs die Zeichnungen von Carl Barks. Den Disney-Meisterzeichner lernte sie allerdings erst persönlich kennen, als sie beide schon im Ruhestand waren. Gemeinsam prägte das Dreamteam Barks-Fuchs eine gesamte Comic-Ära: Erika gab Carls Stories auf deutsch noch den richtigen sprachlichen Schliff und holte das amerikanische Duckburg auf den oberfränkischen Fichtelgebirgsboden der Tatsachen zurück. 

Nach rund tausend durch getexteten Micky-Maus-Heftchen ging sie 1988 eigentlich in den Ruhestand und übergab an ihre Nachfolgerin Doris Kinkel. Doch fast bis zu ihrem Tod 2005 übersetzte sie für ihre Fans noch unermüdlich weiter.

Ein Museum für Comic-Kultur

Das Erika Fuchs Haus von außen
© Erika Fuchs Haus; Foto: Stefan Meyer
Blick in die Ausstellung mit großen Buchstaben auf dem Boden
© Erika Fuchs Haus 
Blick in die Ausstellung mit Comic-Elementen
© Erika Fuchs Haus
Blick in die Bibliothek mit vielen Heften und Comic-Büchern
© Erika Fuchs Haus
Schautafel im Museum, die die Geschichte von Entenhausen erklärt
© Erika Fuchs Haus

Die Eröffnung des Erika-Fuchs-Haus - Museum für Comic und Sprachkunst (externer Link, öffnet neues Fenster) hat sie leider nicht mehr miterlebt. Dafür war ihr Sohn Nikolaus dabei, der bis zu seinem 16. Lebensjahr in Schwarzenbach gelebt hat. Das ehemalige Wohnhaus und die Summa-Fabrik der Familie Fuchs in der Marienstraße waren mittlerweile verkauft worden. Das Museum zog daher ein paar Straßen weiter in die Bahnhofsstraße. Grundstein ist die Sammlung von Gerhard Severin, einem überzeugten Donaldisten und Verehrer von Erika Fuchs und der 9. Kunst - wie die Comics in Frankreich oder Belgien genannt werden.  

In Deutschland war das Erika-Fuchs-Haus das erste Museum, das sich ausschließlich der Kunstform Comic widmete. Aber "nur keine Sentimentalitäten" wie Donald Duck mit den Worten von Erika Fuchs sagen würde...

Was ist ein Translatorium, ein Zitatwirbler oder ein onomatopoetisches Kabinett? Wenn ihr das raus finden wollt, dann müsst ihr nach Schwarzenbach an der Saale kommen: das Erika-Fuchs-Haus will ein Museum zum Anfassen und Ausprobieren, Dichten und mit Worten Jonglieren sein. Ihr könnt dort Sprechblasen bilden, ins Talerbad tauchen, Daniel Düsentriebs Erfinder-Werkstatt erkunden und einen amüsanten und kreativen Spaziergang durch Entenhausen erleben!

Donald Duck, der sehr begeistert auf etwas zeigt
© Erika Fuchs Haus

Jubel-Programm

Der 10. Geburtstag wird mit einem bunten Jubiläumsprogramm von April bis Dezember 2025 gefeiert. Die große Geburtstagsparty steigt am 1. August 2025: die von der Comic-Künstlerin Luise Mirdita neu gestalteten Skulpturen auf dem Vorplatz werden enthüllt. Euch erwartet ein Comic-Workshop mit Olivia Vieweg, ein Vortrag von Prof. em. Dr. Dietrich Grünewald, Führungen und Live Musik mit Sammy Rakete. Hier geht's zum kompletten Programm. (externer Link, öffnet neues Fenster)

FanZeit & Duckworks - die aktuellen Ausstellungen

Cover der Graphic Novel, der zwei Mädchen in einer düsteren, märchenhaften Waldlandschaft zeigt
Olivia Vieweg, Cover zur Graphic Novel "Endzeit" (2018) © Olivia Vieweg
Comicbild, das mehrere Mädchen zeigt, die begeistert ihren Star umarmen
Olivia Vieweg, Fangirl Fantasy (2024) © Olivia Vieweg
Foto der Comicbuchautorin Olivia Vieweg mit Hut, sie steht vor einem Kornfeld
Olivia Vieweg © Foto: Philipp Höfer
Comic-Illustration, die Donald Duck zeigt, der wütend dem Zeichner Tinte ins Gesicht spritzt
© Disney / Illustration: Ulrich Schröder / Daan Jippes, Farbe Harald Schröder

Die aktuelle Sonderausstellung „FanZeit“ (noch bis 14. September) widmet sich den Graphic Novels „Fangirl Fantasy“ (2024) und „Endzeit“ (2018) der deutschen Comic-Künstlerin und Drehbuchautorin Olivia Vieweg. 
Beide Comics bestechen durch packende Handlungen, eindrucksvoll kolorierten Zeichnungen und starke weibliche Hauptfiguren und richten sich dabei an ein Lesepublikum ab 12 Jahren. Die Ausstellung im Erika-Fuchs-Haus zeigt sowohl Olivia Viewegs Originalzeichnungen, Skizzenbücher und Drehbücher als auch großformatige Drucke aus beiden Arbeiten.

Duckworks - Ulrich Schröder in Entenhausen” (bis 8. Januar 2026) beschäftigt sich mit dem Werk des Comiczeichners Ulrich Schröder und zeigt seine außerordentliche Schaffensvielfalt: Von Arbeitsutensilien und persönlichen Gegenständen – darunter ein Brief von Carl Barks – über kommerzielle Arbeiten, etwa für die Modezeitschrift ELLE, bei der Schröder Karl Lagerfeld in Szene setzte, bis hin zu Covergestaltungen für das Micky-Maus-Magazin und vollständigen Comicgeschichten, werden sowohl Originale als auch Drucke präsentiert.  Ein besonderer Höhepunkt ist der 2021 im finnischen Aku-Ankka-Magazin (Donald-Duck-Magazin) erschienene Comic „The First Issue“, in dem Donald mithilfe einer von Daniel Düsentrieb entwickelten Zeitmaschine in die Vergangenheit reist und auf Dr. Erika Fuchs trifft.
 

Nathalie Schwaiger & Bianca Faletti