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Ein Tag in Rosenheim - von den Römern bis heute

Was haben die Rosenheim-Cops, Klepper-Faltboote, die Himmelsleiter und die Römer gemeinsam? Richtig, ihre Geschichten kreuzen sich am Zusammenfluss von Mangfall und Inn, zwischen Chiemgau, Simssee, Rimssee und Samerberg. Auf jeden Fall lohnt sich ein Besuch in Rosenheim, heute eine moderne Hochschulstadt mit vielen Parks, schönen Biergärten und Plätzen, Alpenblick inklusive. Und auch die vielen Museen können sich sehen lassen…

Die Geschichte von Rosenheim beginnt offiziell Anno 1328. Damals erhielt Rosenheim das Marktrecht. Der Ortsname leitet sich vermutlich vom Wappen der Grafen von Wasserburg ab, in dem drei Rosen zu sehen sind. Der Graf hatte in der Nähe eine Burg gebaut. Aber es gibt auch andere Interpretationen, woher der Name der Stadt kommt. Durch ihre Lage an einem wichtigen Knotenpunkt von Handelswegen und am Zusammenfluss von Inn und Mangfall wurde Rosenheim wohlhabend. Salz und Holz wurden von hier aus weiter flussabwärts über Inn und Donau bis nach Wien und Budapest verschifft.

Pons Aeni - als die Römer kamen

Replik einer römischen Statue, die in die Weite zeigt, zwischen weißen Säulen
© Lokschuppen Rosenheim. Foto: Alex Jusseit
© Lokschuppen Rosenheim. Foto: Alex Jusseit
© Lokschuppen Rosenheim. Foto: Alex Jusseit
© Lokschuppen Rosenheim. Foto: Alex Jusseit

Bereits im Jahr 15 v. Chr. erreichten die Römer unter der Führung von Drusus und Tiberius das Inntal. Die Provinz rechts des Inns nannten sie Noricum und links des Inns Rätien. An der Kreuzung der beiden wichtigsten Handelswege zwischen dem Brenner und Regensburg, Salzburg und Augsburg gründeten sie die Militärstation „Pons Aeni“ (dt. Innbrücke), die auch der römisch-keltischen Siedlung zwischen Isinisca Aying und Bedaium (Seebruck) den Namen gab. In der Sprache der Bajuwaren wurde aus „Pons Aeni“ „Pfunzen“, das sich noch in den Ortsteilnamen „Langenpfunzen“ und „Leonhardspfunzen“ erhielt. Im 1. Jahrhundert nach Christus errichteten die Römer bei Rosenheim weitere Brücken und Siedlungen. Schon damals war es ein Umschlagplatz für Salz, Holz und Keramik am Inn. 

Einige Spuren zeugen noch vom römischen Leben: Westerndorf St. Peter etwa war ein bedeutender römischer Siedlungs- und Produktionsort. In Kastenfeld sind Spuren römischer Besiedlung erkennbar. Die historische Innbrücke war einst wichtiger Verkehrs- und Handelsknotenpunkt und in Doblergraben und auch in Mühltal finden sich noch Landschaftsräume mit archäologischem Potenzial.

Auf den Spuren der Römer in Rosenheim

Tipp: Auf einer geführten Fahrradtour könnt ihr die bedeutenden archäologischen Fundplätze nördlich der Stadt entdecken. Die 2,5‑stündige Römer-Fahrradtour (externer Link, öffnet neues Fenster) bietet spannende Einblicke in das Leben der Römer am Inn. Geleitet wird die Tour von Andrea Krammer, M.A., provinzialrömische Archäologin und Leiterin des Städtischen Museums Rosenheim.

Mehr Geschichte und Fundstücke aus ganz Europa sind aktuell in der großen Event-Ausstellung “Römer - Gesichter eines Weltreiches” im Lokschuppen Rosenheim zu sehen (bis 1. August 2027).  Mehr dazu auch in unserem Blog-Artikel (externer Link, öffnet neues Fenster)

Vom Nepomukbrunnen bis zum Riedergarten

© Museen in Bayern; Foto: Hania Hillenbrand
© ZDF; Foto: Linda Gschwentner
© Museen in Bayern; Foto: Hania Hillenbrand
© Museen in Bayern; Foto: Hania Hillenbrand
© Museen in Bayern; Foto: Hania Hillenbrand
© Stadt Rosenheim

Unsere Tour geht am Max-Josefs-Platz los: im Herzen der Stadt könnt ihr in den Cafés, in Gasthäusern und auf den Terrassen gemütlich euren Tag beginnen - oder auch ausklingen lassen. Die pastellfarbenen Bürgerhäuser im typischen Inn-Salzach-Stil mit ihren Arkadengängen und Erkern sind ein echter Hingucker. Die meisten entstanden nach dem großen Brand von 1641. Im Kern stammen sie teilweise sogar noch aus dem 14. Jahrhundert. Die älteren, schmalen Holzhäuser wurden später zu repräsentativen Patrizierhäusern verbunden. Im Haus Nr. 22 war von 1641 bis 1878 das Rathaus von Rosenheim untergebracht. Vor dem Bergmeister-Haus, mit seiner verschnörkelten Rokoko-Eingangstür, steht der Nepomuk-Brunnen mit der Spätrokoko-Statue des Heiligen, Schutzpatron der Schiffsleute, die Rosenheims Wohlstand begründeten.

Weiter geht es bis zum Ludwigsplatz, dem “Grünen Markt”, der nach 1500 entstand. Der Fischbrunnen ist ein Werk von Georg Albertshofer von 1928. Er erinnert noch daran, dass hier früher lebende Fische verkauft wurden. Der Platz wurde für die Landesgartenschau 2010 neu hergerichtet. Heute ist hier regelmäßig Wochenmarkt. An den Ständen stapeln sich frische Aprikosen, Kirschen, Heidelbeeren und Erdbeeren, Radi und Kohlrabi, Tomaten, Sonnenblumen und Kräuter. 

Sehr sehenswert: die Fenster mit leuchtenden Rosenmotiven in der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus wurden vom Glaskünstler Karl-Martin Hartmann gestaltet.

Wenn ihr eine Verschnauf-Pause braucht: im Riedergarten, der 1729 vom Stadtapotheker angelegt wurde, wachsen Heilpflanzen und Kräuter - eine wunderbare grüne Oase mitten in der Stadt.

Übrigens: für alle Fans der Serie Rosenheim Cops gibt es geführte Touren zu den Drehorten (externer Link, öffnet neues Fenster), inklusive Besuch der Bavaria Filmstudios. Auf eurem Spaziergang durch die Stadt könnt ihr auch nach Selfiepoints für euer Erinnerungsfoto Ausschau halten - ein Aufsteller steht in der Touristinfo (externer Link, öffnet neues Fenster) in der Heilig-Geist-Straße 15. Dort könnt ihr euch auch einen Stadtplan abholen und Führungen buchen.

© Museen in Bayern; Foto: Hania Hillenbrand

Das Mittertor wurde als einziges von früher sechs Toren erhalten und ist in seinem Kern das älteste Gebäude der Stadt. Vor 1350 war es das Osttor des Marktortes, der damals von einem doppelten Graben geschützt wurde. Seit dem 15. Jahrhundert trennte es den Inneren Markt vom Äußeren Markt und diente auch als Zollstelle. Außerdem waren dort bis ins 19. Jahrhundert mehrere städtische Einrichtungen wie das Stadtschreiberzimmer untergebracht. Der Zwiebelturm wurde erst nach dem verheerenden Rosenheimer Stadtbrand 1641 hinzugefügt und später auch der Langbau verlängert. An der Fassade zur Seite des Ludwigsplatzes befindet sich das Wappen von Rosenheim, die weiße Rose auf rotem Grund, gleich neben dem bayerischen Wappen.

Vom Römergrab zum Brautschrank - das Städtische Museum Rosenheim

Trepp auf, Trepp ab: seit 1895 hat das Städtische Museum Rosenheim seinen Platz im Mittertor. Hier werden historische Objekte gesammelt, erhalten, erforscht und ausgestellt - von römischen Grabbeigaben, über Kupfertöpfe in der Bauernküche, bis zum Nierentisch und Reklame aus den 50ern. Die Dauerausstellung bietet spannende Einblicke in das Alltagsleben der Rosenheimerinnen und Rosenheimer und nimmt euch mit auf eine faszinierende Reise durch 2000 Jahre Stadtgeschichte. Wunderschön: der Brautschrank (siehe Bild oben Mitte) gehörte im 19. Jahrhundert zur sogenannten “Fertigung”, einem Möbelensemble aus Bett, Truhe und Schrank, das die Braut als Mitgift bekam. Der Schrank wurde mit Flachs, Leinen, Wachsstöcken und Stoffen ausgestattet.

Tipp: Ergänzt wird das Angebot durch wechselnde Sonderausstellungen, Führungen und Workshops für Kinder und Erwachsene. Die neue Kombiführung „MuseumsSchätze und StadtGeschichten“ (externer Link, öffnet neues Fenster)startet im Museum und anschließend geht es vom Mittertor auf einen geführten Rundgang durch die Altstadt.

Die Himmelsleiter hinauf - das Holztechnische Museum 

© Stadt Rosenheim
© Museen in Bayern; Foto: Nathalie Schwaiger
© Museen in Bayern; Foto: Nathalie Schwaiger
© Holztechnisches Museum Rosenheim e.V.; Foto: 2023 Stadt Rosenheim

Im ersten Stock des denkmalgeschützten Ellmaierhaus erfahrt ihr alles über Holzberufe, Holz als Werkstoff und die Bedeutung und Verarbeitung von Holz bis heute. Gezeigt werden nicht nur die Endprodukte, sondern auch ihre Herstellung und die dazu erforderlichen Werkzeuge. Regelmäßige Sonderausstellungen runden das Angebot des Holztechnischen Museums ab.
Hinauf zum Museum führt die sogenannte “Himmelsleiter”, die letzte in Rosenheim erhaltene. Die lange Treppe führt geradeaus durch alle Stockwerke hinauf.

Kunstoase - die Städtische Galerie Rosenheim

© Städtische Galerie Rosenheim; Foto: Martin Weiand
© Leonardo Arts, Holy Virgin vrs Evil Dead, 2004,160x115cm; Horrorfilm, 1991, Regie: Chin-Ku Lu, Sammlung Stäbler; Foto: Martin Weiand
© Museen in Bayern; Foto: Nathalie Schwaiger

Klare Architektur und moderne Kunst: das Ausstellungsgebäude wurde 1935 bis 1937 von German Bestelmeyer erbaut. In der Ausstellung sind etablierte künstlerische Postionen ebenso wie junge, qualifizierte Neuentdeckungen vertreten. Die thematische Vielfalt der gezeigten Werke aus den Bereichen Malerei, Zeichnung, Druckgrafik, Fotografie, Objekt und Skulptur macht das Potential aktueller Kunst erlebbar. Sie zeigen, dass Kunst für die Freiheit des Geistes und die Vielzahl der Möglichkeiten steht und ein Ausdruck von Demokratie ist.

Ein Highlight ist die Jahresausstellung des Kunstvereins Rosenheim "KUNST AKTUELL"  - eine der umfangreichsten und bedeutendsten Übersichtsschauen für aktuelle, zeitgenössiche Kunst, die der Kunstverein Rosenheim jährlich kuratiert und in der Städtischen Galerie Rosenheim präsentiert.

Die aktuelle Sonderausstellung Big Promises (externer Link, öffnet neues Fenster)zeigt über 100 handgemalte Filmplakate aus Ghana, eine kunstvolle Kommunikationsform und einzigartiges Kulturgut, die Ausdruck einer lokal verankerten Populärkultur und zugleich Produkt einer globalisierten Welt ist (bis 6. August 2026).

Saurier, Vulkane, Römer - der Lokschuppen Rosenheim

© Chiemsee-Alpenland Tourismus; Foto: Thomas Kujat
© Museen in Bayern; Foto: Nathalie Schwaiger
© Museen in Bayern; Foto: Nathalie Schwaiger
© Museen in Bayern; Foto: Nathalie Schwaiger
© Museen in Bayern; Foto: Nathalie Schwaiger
© Museen in Bayern; Foto: Nathalie Schwaiger

Der frühe Anschluss an die Eisenbahn 1858 brachte Rosenheim neuen Aufschwung. Im alten Bahnhof ist seit 1878 das Rathaus. Fun Fact: in der ZDF-Vorabendserie “Die Rosenheim-Cops” dient es als Kulisse für das Polizeipräsidium. 

Im Lokschuppen des ersten Bahnhofs ist heute das Ausstellungszentrum Lokschuppen. Seit Jahrzehnten werden im denkmalgeschützten Gebäude naturhistorische, archäologische oder kulturhistorische Erlebnisausstellungen - von Vulkanen bis Sauriern, von Eiszeit über Superhelden bis zu den Römern. Sie begeistern alle “Fans” vom interessierten Laien bis zum Kindergartenkind.

Tipp: in der aktuellen Römer- (externer Link, öffnet neues Fenster)Ausstellung (bis 1. August 2027) könnt ihr im Circus Maximus Wagenrennen fahren, eine Tunika anprobieren, Mosaik legen, auf Wachstäfelchen schreiben, rätseln, mitmachen, anfassen, ausprobieren und als Stadtbaumeisterin oder Stadtbaumeister am großen Lego-Rom-Modell LOCDVNVM mitbauen. 

Alles im Fluss - das Inn Museum 

Das Inn-Museum im historischen Flussmeister-Bruckbaustadel an der Innbrücke beherbergt die wasserbau- und schifffahrtstechnische Sammlung des Wasserwirtschaftsamtes Rosenheim. Mit vielen Originalobjekten zeigt das Museum die Innschifffahrt, die Quelle von Rosenheims Wohlstand im Mittelalter und in den vergangenen Jahrhunderten. Darüber hinaus vermittelt das Museum Wissenswertes über Flusslandschaft und Flussbau, Geologie, Besiedlungsgeschichte, Schiffbautechnik, Brückenbau und die Entwicklung von Wasserwegen.

Ein Outdoor-Traum - das Klepper-Faltbootmuseum (derzeit geschlossen)

Die Klepper Faltbootwerft in Rosenheim ist der älteste Faltboot-Hersteller der Welt. Die Werft trägt den Namen ihres Gründers Johann Klepper. Seit 1907 hat sie über 250.000 Faltboote in alle Welt verkauft. In den 20er Jahren war die Werft mit 3000 Angestellten Rosenheims größter Arbeitgeber und dominierte jahrzehntelang den Faltbootmarkt. Zahlreiche Ozean-Überquerungen, Weltrekorde und Landumrundungen wurden in Klepper-Booten erreicht. Unter anderem gelang dem Arzt Hannes Lindemann 1956 in einem serienmäßigen Aerius 520 eine Atlantiküberquerung in 72 Tagen. Sein Faltboot ist im Deutschen Museum in München ausgestellt. Und auch im Neuen Museum Nürnberg sind zwei Klepper-Faltboote als Designikonen zu bewundern.

1978 stellte Klepper die Produktion der Faltboote ein. 1980 endete auch die Produktion der Segelboote. 1997 wurde das Unternehmen endgültig geschlossen. 1995 wurden die Produktionsstätte und das werkseigene Museum bei einem Brand zerstört. Das Museum wurde im ersten Stock später wieder eröffnet, aber ist jetzt schon seit längerem geschlossen. Derzeit gibt es Pläne, es wieder zu öffnen.

© Stadt Rosenheim
© Stadt Rosenheim

Sommertipp: Von der Mangfall zum Innspitz 

Ein schöner und abwechslungsreicher Spaziergang (externer Link, öffnet neues Fenster) entlang der Mangfall verbindet die Altstadt mit den grünen Flussoasen vor der Stadt. Die Runde (2,6 Kilometer, ca. 0,5 Stunden) führt durch den Mangfallpark, vorbei am Inn-Museum im Bruckbaustadel, über das Gelände der Landesgartenschau von 2010, direkt am Wasser entlang bis zum Innspitz, wo die Mangfall in den Inn mündet. Bei klarem Wetter werdet ihr mit einem herrlichen Alpenpanorama belohnt. Und wenn es heiß ist, könnt ihr die Füße im Wasser abkühlen.

Schön auch im Sommer: das Rosenheimer Sommerfestival, das jedes Jahr im Juli im Mangfallpark stattfindet (dieses Jahr sechs Konzerte vom 10. bis 18. Juli 2026).