Zu Gast im Infopoint
Das Stadtmuseum Burghausen präsentiert sich bis zum 19. Dezember mit einer Präsentation im Infopoint Museen & Schlösser in Bayern.
Zur Langen Nacht der Münchner Museen (externer Link, öffnet neues Fenster) am Samstag, 17. Oktober 2026, ab 18 Uhr, gestaltet das Stadtmuseum Burghausen gemeinsam mit dem Infopoint-Team das Abendprogramm: Aus der weltlängsten Burg ist ein echter Ritter mit seinem Gefolge im Münchner Alten Hof (externer Link, öffnet neues Fenster) zu Gast!
Geschichte der Burg
Nach dem Abzug der Burghauser Garnison im Jahr 1891 stand die Hauptburg leer. Ein Verkauf, sogar der Abriss standen zur Debatte. Glücklicherweise wurde eine neue Nutzung als Staatsgemäldegalerie und Museum gefunden. Es entsprach dem Zeitgeist, die Burg museal zu nutzen: Sogenannte „Alterthümer“ wurden zunehmend als schützenswerte Zeugnisse der eigenen Identität und Kultur verstanden. Das Burghauser Stadtmuseum wurde am 11. Juni 1899 mit einer provisorischen Ausstellung im Torwartzimmer direkt neben dem Eingang zur Hauptburg eröffnet. Das Inventarbuch aus dem Jahr 1900 weist bereits mehr als 2.000 Einträge aus. 1902 wurde das Stadtmuseum in die Gotische Gewölbehalle des Palas verlegt und zog 1907 endgültig in den Kemenatenbau um.
Die umfangreichen Sammlungen des Museums bieten einen eindrucksvollen Überblick über die Geschichte, Kunst und Kultur Burghausens und seiner Umgebung.
Mit über 21.000 großen und kleinen Gästen im vergangenen Jahr ist das Stadtmuseum ein überregional bedeutender kultureller Anziehungspunkt im Südosten Bayerns.
Zwischen 2011 und 2025 wurde das Museum umfassend modernisiert. Die Neukonzeption war ein museales Großprojekt. Es galt, vier Stockwerke mit über 1300qm Fläche gänzlich neu zu gestalten:
Leben auf der Burg im Spätmittelalter
Im Erdgeschoss mit seinen stimmungsvollen Räumen erfährt man, wie man an einem Fürstenhof Ende des 15. Jahrhunderts lebte. Zu dieser Zeit residierte Herzogin Hedwig, Ehefrau Herzog Georgs von Bayern-Landshut, mit ihrem großen Hofstaat auf der Burghauser Burg. Inszenierungen und Mitmachstationen vermitteln Wissenswertes zu Themen wie Burgenbau, Wohnkomfort, Essen, Mode und Freizeitvergnügen. In mittelalterlichem Ambiente kann der Besucher sich in zeitlich passenden Kleidern fotografieren lassen, eines der damaligen Gesellschaftsspiele ausprobieren, die herzoglichen Küche erkunden oder selbst an einem Ritterturnier teilnehmen.
Raubritter Feuersprank aus dem Festspiel “Helmbrecht” 2025
"Und zum Fressen haben wir auch nix mehr!"
Burghausen feierte 2025 sein 1000-jähriges Jubiläum mit einer Neuinszenierung des Freilichtspiels “Meier Helmbrecht”. Diese mittelalterliche Versdichtung von Wernher dem Gärtner (entstanden ca. 1250 bis 1280) erzählt vom Bauernsohn Helmbrecht, Sohn des Meiers, der nach Höherem strebt und ins Rittertum aufsteigen will. Er schließt sich Raubrittern an, reißt seine Schwester Gotelind mit ins Unglück und nimmt schließlich ein böses Ende. Die Handlung ist im Salzachtal bei Burghausen verortet. Erwähnt werden Helmbrechts Elternhaus in Gilgenberg, der Weilharter Forst und die Quelle von Wanghausen.
“Einer seit waz er gesiht, der ander seit waz im geschiht, der dritte von minne, der vierde von gewinne…”, so beginnt die mittelhochdeutsche Versnovelle um Aufstieg und Fall des Bauerssohns Helmbrecht.
Feuersprank (wörtlich übersetzt etwa „Feuerklaue“ oder „Feuerpfote“) ist einer der Spießgesellen und Raubritter, mit denen der junge Helmbrecht durch die Lande zieht, um Bauern auszurauben und Terror zu verbreiten.
Kunststadt Burghausen
Das 1. Obergeschoss ist der Kunst in Burghausen gewidmet. Als Residenzstadt und später als Regierungsstadt beherbergte Burghausen zahlungskräftige Auftraggeber. Landesherr, Klerus, Adel und Bürgertum ließen Bauwerke errichten, Kirchen ausstatten und Porträts von sich malen.
Ab dem Ende des 16. Jahrhunderts gab es stets zwei Malerwerkstätten und eine Bildhauerwerkstatt, aus denen vor allem in der Barockzeit qualitätvolle Werke hervorgingen. An sechs Informationsblöcken werden Themen wie Fassmalerei, Freskomalerei, Porträtmalerei oder das „theatrum sacrum“ interaktiv und gut verständlich erklärt.
Im 19. Jahrhundert änderte sich das Selbstverständnis der Künstler. Aus den in Zünften organisierten Handwerkern wurden autonome Künstlerpersönlichkeiten, die die Kunst in Burghausen mit neuen Impulsen belebten. Das heutige Burghausen führt die Tradition mit mehreren Ausstellungsflächen und Kunst im öffentlichen Raum fort.
Stadtgeschichte
Die spannende Geschichte Burghausens von der Frühzeit bis zur Gegenwart steht im Mittelpunkt des 2. Obergeschosses. Die Herzogstadt Burghausen erlebte im Mittelalter mit dem Salzhandel und der Schifffahrt auf der Salzach ihre Blütezeit.
Ab 1507 war die Stadt Sitz eines Rentamts und 1688 erhielt sie den Titel „Hauptstadt“. Eine große Abteilung widmet sich dem Alltagsleben der Burghauser Bürger in dieser Zeit.
Das 18. und 19. Jahrhundert sind vom wirtschaftlichen und politischen Niedergang gekennzeichnet. Die Ansiedlung der Wacker Chemie Anfang des 20. Jahrhunderts führte Burghausen in eine neue Ära als Industriestadt.
Das Leben in Burghausen im Nationalsozialismus wird anhand eines begehbaren Stadtplans von 1935 eindrücklich dargestellt. Im Kinosaal erzählen verschiedene Filme von den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart.
Naturraum Salzach-Wöhrsee
In lebendigen Inszenierungen kann man den Burghausen prägenden Naturraum mit der Salzach und dem Wöhrsee entdecken. Unterhaltsame und informative Forscherstationen erklären den Lebensraum des Salzachflusses mit seinen charakteristischen Merkmalen wie den angrenzenden Auen, den Buchen-Hangwäldern und dem Salzachdurchbruch „Burghauer Enge“. Das Wöhrseebecken als eiszeitlicher Altarm der Salzach wird mit seiner Tierwelt und hier besonders mit dem Waldrapp-Projekt vorgestellt. Anhand von Lichtprojektionen, zahlreichen Tierpräparaten und interaktiven Mitmachstationen wie einem Steinequiz, einem Ratespiel zu Tierstimmen oder einem Turmbaupuzzle gibt es Spannendes zu entdecken. Der seltsamste Anwohner ist mit Sicherheit der Waldrapp – einst vom Aussterben bedroht und heute das Maskottchen Burghausens.
Die vier Dauerausstellungen wurden 2025 mit dem Bayerischen Museumspreis ausgezeichnet. Auf rund 2.000 m² Ausstellungsfläche führen sie kurzweilig durch die Burghauser Stadt- und Kunstgeschichte, lassen das Spätmittelalter auf der Burg lebendig werden und eröffnen faszinierende Einblicke in den Naturraum zwischen Salzach und Wöhrsee.
Ein Gastbeitrag vom Stadtmuseum Burghausen