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Das Sudetendeutsche Museum in München - Eine Oase der Erinnerung und Begegnung

Was bedeutet Heimat wirklich? Ist sie allein in der speziellen Landschaft mit ihrem unverwechselbaren Charme zu finden? Vielleicht liegt sie auch im Klang der Mundart, im vertrauten Dialekt, oder in einem bestimmten Geschmack, der uns an Zuhause erinnert. Für viele Besucherinnen und Besucher des Sudetendeutschen Museums ist die Ausstellung eine Reise zurück in die Heimat.

Die Architektur und die Anordnung der Sammlungsstücke folgen einem klaren Konzept. Massive Betonwände umrahmen die Sammlung und lenken den Fokus auf das Innere, während großzügige Glasfassaden den Raum öffnen und die Erkundung des Gebäudes fördern. An den Seiten spiegeln sich die umliegenden Pflanzen in der Glasfront und verleihen dem Treppenaufgang eine faszinierende Atmosphäre. An der Rückseite durchbricht eine vertikale Glaseinlassung die robuste Fassade und erstreckt sich wie ein Riss über alle Etagen.

Die Ausstellung führt die Besucher von oben nach unten durch die Geschichte der Sudetendeutschen. Im obersten Stock bietet der "Riss" einen beeindruckenden Blick auf die Innenstadt und die Frauenkirche.

Blick auf die Innenstadt und die Frauenkirche
© Melina Rauh

Die Sudetendeutschen - Ihre Geschichte, Kultur und Bräuche

Wer sind die Sudetendeutschen? Sind sie ein Stamm, eine Volksgruppe, eine Nation? Der Begriff geht auf den Gebirgszug der Sudeten zurück, der die historischen Länder Böhmen, Mähren und Schlesien verbindet. Die Ausstellung führt mit markanten Stimmen und Dialekten in die Vielfalt der sudetendeutschen Kultur ein und zeigt die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der Sudetenregionen anhand kulturhistorischer Ausstellungsstücke.

Heimat ist da, wo man sich nicht erklären muss.

Johann Gottfried Herder zugeschrieben
Landschaftsgemälde in Petersburger Hängung
© Melina Rauh
Historische Halskrause
© Melina Rauh
Goldmünze "Goldene Bulle"
© Melina Rauh
Historische Weihnachtskrippe
© Melina Rauh
Blick in den Ausstellungsraum
© Melina Rauh

O Täler weit, o Höhen, o schöner, grüner Wald...

Joseph von Eichendorff

Die Sammlung umfasst traditionelle Artefakte wie Halskrausen, die Goldene Bulle und Weihnachtskrippen aus der Region Königsberg an der Eger sowie Landschaftsgemälde, die die Vielfalt der Gegend einfangen.

Das Museum für Alle!

Lageplan mit Tastmodell und Brailleschrift
© Melina Rauh
Geländer mit Beschriftung in Brailleschrift zur Orientierung
© Melina Rauh
Besucherin an Hörstation
© Melina Rauh
Besucherin an einer Medienstation
© Melina Rauh

Das Museum ist barrierefrei und bietet taktile Leitspuren sowie Tast- und Hörstationen. Die Texte sind auf Deutsch, Tschechisch und Englisch verfügbar, ebenso wie in deutscher Gebärdensprache. Medienstationen bieten interaktive Einblicke in Geografie, Geschichte und Sprache der Sudetendeutschen.

Wie haben sie gelebt? An einer Hörstation berichtet ein Zeitzeuge mit Witz und Eifer über traditionelle Bräuche und Sitten.

Schaffenskraft und Erfindergeist

Blick in den Ausstellungsraum
© Melina Rauh
Klöppel mit Klöppelkissen
© Melina Rauh
Motorrad in Ausstellungsraum
© Melina Rauh
Feines Porzellan in Ausstellungsvitrine

Im Sudetenland wurden nicht nur Gartenzwerge hergestellt, sondern auch Kunert-Strümpfe, Pilsner Bier und das längste Serien-Motorrad der Welt. Die Region war bekannt für Keramik, Porzellan, Glaswaren und vieles mehr.

Nationalismus und Nationalstaat

Blick in den Ausstellungsraum Nationalismus und Nationalstaat
© Melina Rauh
Blick in den Ausstellungsraum Nationalismus und Nationalstaat
© Melina Rauh
Besucherin an einer Ausstellungsvitrine
© Melina Rauh
Ausstellungsvitrine mit historischen Dokumente
© Melina Rauh
Vitrine mit historischen Dokumenten und Artefakten
© Melina Rauh

...aber wir grüßten uns nicht mehr und sprachen nicht mehr miteinander, denn ich war deutscher und er war tschechischer Farbe...

Alfred Meißner, Schriftsteller, 16.07.1848

Der Ausstellungsbereich zeigt die Ereignisse, die zur Vertreibung der deutschen Bevölkerung führten, darunter nationalistische Bestrebungen, der Zerfall der Habsburger-Monarchie, die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten und schließlich die Katastrophe von Zweitem Weltkrieg und Vertreibung.

Verlust und Vertreibung

Menschen auf der Flucht durch den Wald
Flüchtlingslager
Flüchtlingsstrom
Blick in den Ausstellungsraum Verlust und Vertreibung

Unsere Lösung sei: unser Land definitiv entgermanisieren, kulturell, wirtschaftlich, politisch.

Edvard Beneš am 16.05.1945 in Prag

Die Ausstellung schildert eindrücklich die traumatischen Erlebnisse der Vertreibung durch Audioaufnahmen und visuelle Dokumentation. Millionen Sudetendeutsche wurden enteignet und vertrieben, Zehntausende kamen ums Leben.

Nachkriegszeit und Neubeginn

Blick in den Ausstellungsraum Nachkriegszeit und Neubeginn
© Melina Rauh
Blick in den Ausstellungsraum Nachkriegszeit und Neubeginn
© Melina Rauh
Fotografie ehemaliger Vertriebener, die sich zu Hunderten am Nürnberger Hauptmarkt versammeln
© Melina Rauh
Blick in den Ausstellungsraum Nachkriegszeit und Neubeginn
© Melina Rauh

Der gewaltsame Verlust der Heimat traumatisierte die Sudetendeutschen, doch viele konnten sich im Nachkriegsdeutschland eine neue Existenz aufbauen. Der Fall des Eisernen Vorhangs förderte die Annäherung von Sudetendeutschen und Tschechen.

Der letzte Bereich des Museums lädt zum Verweilen ein und symbolisiert den Anspruch des Museums als Ort der Begegnung und Erinnerung.

Das Recht, aus der angestammten Heimat nicht vertrieben zu werden ist ein fundamentales Menschenrecht.

José Ayala Lasso, der erste UN-Hochkommissar für Menschenrechte (1994-1997) am 28.05.1995 in Frankfurt am Main
Blick auf den Treppenaufgang im Grünen
© Melina Rauh
Museumscafé im Grünen
© Melina Rauh
Museumscafé mit großzügigen Glasfassaden, die einen Blick ins Grüne freigeben
© Melina Rauh
Schriftzug: Nichts Geringerer und nichts Größeres als das Erlebnis namens Heimat
© Melina Rauh