Raus in die Natur!
Ausgewählte Werke aus der Sammlung Gerritzen
28.09.2025 - 15.02.2026 ,
Olaf Gulbransson Museum Tegernsee
„Raus in die Natur!“ war das Motto der Landschaftsmalerei des 19. und frühen 20. Jahrhunderts und führte zu einem revolutionären Aufbruch: Das Malen en plein air — unter freiem Himmel — brachte mit seiner unmittelbaren Naturbeobachtung eine frische, realistische Bildsprache hervor, die den Weg für weitere Entwicklungen ebnete. Jedoch nicht immer entstanden die Werke im Freien: Viele wurden auch im Atelier geschaffen, manche nach Skizzen oder Studien, oft bleibt der Entstehungsprozess im Dunkeln. Doch gerade im Spannungsfeld zwischen spontaner Naturbeobachtung und reflektierter Atelierarbeit wird der Wandel der Malerei in unserer Ausstellung gut sichtbar.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erhob die Romantik die Landschaft zur "Seelenlandschaft", zum Ausdruck von Sehnsucht und dem Erhabenem. Zwar im Atelier geschaffen, prägten diese Werke eine ganze Generation — bis hin zu Johann Wilhelm Schirmer und Friedrich Preller d. Ä., die um die Mitte des Jahrhunderts das Ideal der poetischen Landschaft fortführten.
In Barbizon, am Rand des Waldes von Fontainebleau, suchten Camille Corot, Charles-François Daubigny und Théodore Rousseau seit den 1830er-Jahren das unmittelbare Naturerlebnis. Mit ihren Ölskizzen vor Ort legten sie die Grundlage für eine neue, realistische Bildsprache und wurden zu Wegbereitern des Impressionismus. Das zeigt sich auch bei Camille Pissarro, der an diese Tradition anknüpfte und sich bald zu einem wichtigen Impressionisten entwickelte.
Ende des 19. Jahrhunderts entstand in Worpswede eine Künstlerkolonie, die Natur zugleich als Motiv und Lebensentwurf verstand. Werke von Otto Modersohn, Fritz Overbeck, Hans am Ende und Paula Modersohn-Becker spiegeln Melancholie, Naturverbundenheit und den Wunsch nach Erneuerung.
Nach 1900 brachte der Expressionismus eine radikale Wende: Mit leuchtenden Farben und kraftvollem Strich setzten Künstler wie Emil Nolde ihre Empfindungen direkt und spontan in ihren kräftigen Kompositionen um.
Und immer wieder Italien: Seit Goethe zog es Generationen von Malern in den Süden, um das besondere Licht, die Weite und die Spuren der Antike zu erleben. Davon zeugen in der Ausstellung Werke von Camille Corot, Jean-Achille Benouville oder Friedrich Preller d. Ä. Neben den Landschaftsdarstellungen erweitern Stillleben und Bronzen den Blick.
Eintrag zuletzt geändert am 28.01.2026